AICAR ( 5-Aminoimidazole-4-carboxamide-1-β-d-ribofuranoside)
„ist ein Medikament, das in den Stoffwechsel eingreift und durch die Aktivierung bestimmter Enzyme die Energiebereitstellung indirekt fördert. Tierversuche legen nahe, dass sich AICAR positiv auf die Ausdauerleistungsfähigkeit auswirkt.“ (NADAmed)
Bereits 2009 tauchte der Verdacht auf, dass das nicht zugelassene Medikament im Radsport missbraucht würde. Die WADA verbot es daraufhin ab 2011. Nachweismethoden wurden im Laufe der Jahre entwickelt, die allerdings kaum zum Einsatz kamen. So gelang bis heute kein einziger positiver Fund.
DLF: Von der Epo-Epoche zur Aicar-Ära? 22.6.2013
DLF: Nachweisverfahren für AICAR gefunden, 15.12.2023
2025 wurde der Verdacht konkreter, AICAR käme verstärkt vor allem im Radsport zum Einsatz. Bereits 2022 wurde beim portugiesischen Team W52-FC Porto AICAR gefunden.
Sportschau: Aicar und „Außerirdische“: ARD-Doku facht Dopingdiskussion neu an, 21.6.2025
„[Ein Insider] berichtet, dass eine in den 2010er Jahren aufgetauchte illegale Substanz noch heute eine große Rolle spiele: Aicar, ein eigentlich körpereigener Stoffwechsel-Aktivator, der in seiner synthetischen Form das Energielevel in der Muskulatur hochwirksam erhöht – und wegen seines immensen Dopingeffekts auf der Verbotsliste steht.
„Leute, die heute im Profiradsport tätig sind, sagen: Aicar war und ist das Mittel der Wahl im Peloton“, erklärt der Hinweisgeber. Das sei schon nach den großen Dopingskandalen so gewesen – „und ist es bis heute“. Auch der Ausdauerbooster EPO werde in Mikro-Dosierungen immer noch gerne genutzt, sagte der Mann. Auch er unterschrieb dafür eine eidesstattliche Versicherung.“
Die deutsche NADA berichtete am 30. Dezember 2025 von durchgeführten Tests mit eingelagerten Urinproben an den Doping-Analyse-Instituten in Kreische und Köln, allerdings ohne positive Befunde.
„Im Sommer 2025 berichteten mehrere Medien über den möglichen Missbrauch des Medikaments AICAR durch Athletinnen und Athleten als Dopingmittel im Ausdauersport. Vor dem Hintergrund ging die NADA dem Verdacht gezielt nach und untersuchte in einem gemeinsamen Projekt mit dem Labor in Kreischa 350 ausgewählte Proben aus der Langzeitlagerung aus dem Ausdauersport auf AICAR. Auch in Köln wurden ausgewählte Proben mit der neuen SAICAR/AICAR-Methode untersucht.“ (NADA, Re-Analyse auf AICAR)
Erschwert dürfte der Nachweis auch dadurch sein, dass es viele Varianten des Medikaments gibt.
In dem Film kommt ein Experte zu Wort, der die Verbotsmaßnahmen der Anti-Doping-Institution im Sport gegen Aicar für nahezu wirkungslos hält – nicht nur, weil das Nachweisfenster für das Mittel extrem klein ist. „Wenn ich ein Sportler wäre, würde ich Aicar nehmen, wenn ich weiß, dass es auf der Verbotsliste steht? Oder würde ich eher die Verwandten von Aicar nehmen, die nicht auf der Verbotsliste stehen?“, sagt Oliver Catlin, Ernährungs- und Dopingexperte aus Los Angeles.
Er fand in einfacher Google-Recherche 166 Aicar-ähnliche Präparate, von denen nur vier namentlich auf der WADA-Verbotsliste erscheinen.“ (Sportschau s.o.)
Eine weitere Testmethode, entwickelt an der Universität Ghent, wurde im April 2026 veröffentlicht.
Ob dieser Test großflächig zum Einsatz kommen kann, ist unklar. Die Kosten für die notwendigen Liquid-Chromatophy-Geräte sind sehr hoch.
Honest Sport: REPORT: The undetectable doping powder, a new test developed, 28.7.2026
„In relation to the cost of such a programme, while the new AICAR test itself is more cost-effective to run, the equipment required to conduct it, a liquid chromatography IRMS instrument, costs approximately £340,000 and has no other current applications in anti-doping testing. It is an investment in catching users of a single substance, therefore.
Whether anti-doping agencies, laboratories, and the governments and sports federations that fund both, across the world are willing to make that investment will determine whether AICAR remains, in practice, near undetectable.“
