2015-2023 Spanien: Biologischer Pass und Sanktionen

Der Biologische Pass und die Spanische GesetzGebung

Können auffällige Blutwerte im Biologischen Pass als Beweis für Doping gelten und zu Sanktionen führen?
International wurde dies meist bejaht. In Spanien nicht, hier wurden solche Fälle von Sportler*innen nicht nur von Verbänden sondern auch von staatlichen Gerichten abgeschmettert. Skepsis gibt es allerdings auch von Seiten einiger Blutpassexperten. Um sicher zu gehen, scheint eine übliche Praxis verschiedener NADO zu sein, bei auffälligen Werten die betroffenen Personen gezielt zu kontrollieren.
Wie die Gerichte Anfang 2024 in Spanien ist, ist mir nicht bekannt.

Beispiele:

Maria Dominguez wurde 2015 vom CAS für 3 Jahre gesperrt, nachdem der spanische Leichtathletikverband, dessen Vizepräsidentin die Sportlerin war, sie frei gesprochen hatte. Der Verband erkannte Unregelmäßigkeiten im Biologischen Pass nicht an.

Der spanische Pro Continental Radfahrer Ibai Salas, Burgos-BH, wurde 2018 in Spanien von der Spanischen NADA AEPSAD für 4 Jahre gesperrt wegen Auffälligkeiten im Biologischen Pass. Dieses sportgerichtliche Urteil wurde von einem spanischen Gericht (Tribunal Administrativo del Deporte (TAD)) mit der Begründung aufgehoben, die Passwerte seien kein ausreichender Beweis für Doping. Das Team war 2017 und 2018 von mehreren Dopingfällen betroffen.

Das Anti-Doping Tribunal der UCI erkannte demgegenüber im Februar die Werte des Biologischen Passes als ausreichend für die Begründung von Sanktionen an und sprach eine 4-Jahressperre aus für Jaime Roson Garcia, Moviestar.

cyclingweekly.com: Doping ban for Spanish Pro Continental rider overturned by court, 18.2.2019

2021 / 2022 erhielt Spanien ein neues Anti-Doping-Gesetz.
Weiterhin unklar blieb allerdings, ob das neue Gesetz im der Rechtsprechungspraxis Sanktionen nach aufgrund des Biologischen Passes (ABP) zulässt. Trotz verschiedener Änderungen und Anpassungen der spanischen Gesetzgebung 2021 und eines Dekrets im Juni 2022, um den WADA-Code  ins nationale Rechtszystem zu übernehmen, stand Ende 2022 die Entscheidung eines oberen Gerichts, des Tribunal Administrativo del Deporte (TAD), die feststellte, dass nach dem ABP keine Sanktionen ausgesprochen werden können.

Präzedenzfall war der Fall des Radsportlers Ibai Salas, dessen Sperre vom TAD aufgehoben wurde und sich ins Jahr 2023 hinzog. Er wurde aufgrund des Biologischen Passes 2018 für 4 Jahre gesperrt, konnte aber mit Hilfe von Klagen vor spanischen Gerichtsinstanzen immer einen Freispruch erwirken mit der Begründung, dass das spanische Recht eine Verurteilung nach den Kriterien des Passes nicht ermöglichte. Beurteilt wurde Salas Fall weiterhin nach der alten Gesetzgebung. Der Einspruch der WADA hatte kein Gewicht. Von diesen Urteilen waren noch 3-4 weitere Fälle , die aufgrund des Passes sanktioniert wurden, betroffen. 1.2.2023:

abc.es: Golpe a la lucha antidopaje: la Audiencia Nacional quita valor al pasaporte biológico, 1.2.2023
as.com: El limbo de los pasaportes biológicos, 3.2.2023
spe15: En Espagne, la justice torpille le passeport biologique, 18.2.2023

Hintergrund:
SportsFinding: José Luis Terreros: “The new Anti-Doping Law is stronger, fairer and clearer”, 1.12.2022
lawinsport: Fighting Doping In Sport: How Spain’s Bureaucracy Is Undermining The Athlete Biological Passport, 11.11.2022
Council of Europe: Anti-Doping evaluation visit to Spain ( A team of Council of Europe experts), 20.10.2022