doping-news Februar / Januar 2024 / Dezember 2023

Februar 2024

Am 14. Februar veröffentlichte der spanische Geher lvaro Martín Uriol auf X/Twitter eine Stellungnahme zu den Vorfällen, die 78 spanische Athlet*innen unterschrieben haben. 14.2.2024
>>> Álvaro Martín Uriol
>>> die Stellungnahme: REIVINDICACION DE LOS ATLETAS
>>> Übersetzung ins Englische: CLAIM OF ATHLETES
infobae: Un grupo de 78 atletas españoles exigen al Gobierno „medidas necesarias y urgentes“ contra el dopaje, 14.2.2023
insidethegames.biz: Spanish athletes demand „honesty and transparency“ from doping agency, 15.2.2023

Die WADA erklärte die Nationale Anti-Doping-Agentur Angolas für non-compliant. Die NADA akzeptierte die vorgebrachten Kritikpunkte, die Übernahme des WADA-Codes betreffend, an. Die NADA der Philippinen, die ebenfalls nach den Regularien der WADA als non-compliant einzustufen wäre, wehrt sich, Nun muss der CAS entscheiden. 14.2.2024:
WADA: WADA update on the compliance status of the National Olympic Committee of Angola and the National Anti-Doping Organization of the Philippines

25 Jahre war der Norweger Anders Besseberg Präsident der Internationalen Biathlon-Union. Eine Langzeitpräsidentschaft, während der er zum Spielball Russlands heranreifte und zum Musterbeispiel eines korrumpierten Sportfunktionärs wurde. Ein Beispiel von wahrscheinlich sehr vielen. 10.2.2024:
DLF: Ex-IBU-Präsident Anders Besseberg vor Gericht „Zu viel Geld, zu viele Prostituierte“

Hintergrund:
>>> Play the Game: Divided views on whether sports organisations should be part of an agency to combat crime in sport, 26.1.2024
>>> Hartmann, Grit/Play the Game Report ClearingSport – Towards an agency countering crime and protecting integrity in world sport, 6.2023

Noch immer sind die Folgen des russischen Dopingskandals der Olympidchen Spiele in Sotchi von 2014 im Sportsystem aufgearbeit. 8.2.2024:
Sportschau: Zehn Jahre nach Olympia 2014 in Sotschi Russlands Staatsdoping und die Folgen

Operación Ilex, Stand 10.2.2024:
doping-archiv.de: 2021-heute Spanien: Operacion Ilex

Längst noch nicht sind die Folgen des russischen Dopingskandals um die OS in Sotschi 2014 aufgearbeitet. Davon betroffen sind auch Athleten, die aufgrund gefundener Dopingdaten aus der LIMS-Datenbank nachträglich Olympische Medaillen erhalten müssten.  8.2.2024:
sportschau: Russlands Staatsdoping und die Folge

Internationales Forschungsprojekt TALE: Supporting anti-doping via Transforming Athletes‘ Life Experience after Doping into Education Resources and Policy Recommendations, Start 1.1.2024.
„Das Projekt untersucht wie Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen, die daraus resultierenden Sanktionen sowie die Unterstützungsbedürfnisse aus der Perspektive von Athletinnen und Athleten wahrgenommen werden. Ziel des Projektes ist es, ein besseres Verständnis für die Situation von Athletinnen und Athleten zu entwickeln, die aufgrund von Dopingverstößen sanktioniert wurden.“
NADA: Kick-off der internationalen Forschungsprojekte „TALE“ und „What about us“, 7.2.2024
Universität Münster: Anti-Doping im Sport: Internationales Forschungsprojekt der BWL erhält Zuschlag für ERASMUS+ Lump Sum Grant, 1.12.2023
UMIT: Leben nach Doping – Erasmus+-Projekt „TALE“ untersucht erstmals Auswirkungen von Doping-Verstößen auch Sicht der Athleten, 19.12.2023

siehe auch:
>>> 2022 Life after doping: do the consequences of an anti-doping rule violation threaten athletes’ health? Design and development of an interview guide for the assessment of biopsychosocial changes following a doping ban
>>> 2024 WADA publishes report from ‘Operation Refuge’ analyzing doping among minors – eine Zusammenfassung der ‚Operation Zuflucht‘

Im Rahmen der spanischen Ermittlungen  zur Operacion Ilex ergeben sich angeblich lediglich 4 Anklagen. Betroffen sind Doctor Marcos Maynar, Exsportdirektor Vicente Belda und zwei weitere ungenannte Personen. Ermittelt wurde ursprünglich gegen 8 Personen. Ein Ermittlungsbericht der Guardia civil wurde im November 2023 an mehrere spanische Zeitungen geleakt, aus dem Fahndungsdetails und Ergebnisse zu entnehmen waren. Von Seiten der Staatsanwaltschaft heißt es nun, etliche Erkenntnis ließen sich aber nicht konkreten Ereignissen und Personen zuordnen. Juristische Konsequenzen wird es voraussichtlich für die meisten Involvierten nicht geben.
Lediglich Arzt Maynar und Ex-Sportdirektor Vincente Belda bleiben laut MARCA  vorerst in Haft. Vicente Belda García (Sohn von Vicente Belda), Luis Vicente Otin und Ángel Vázquez wurden vorläufig entlassen.
Interessant sind Zitate der Zeitung MARCA aus dem Bericht, die darlegen, wie die spanische Datenschutzgesetzgebung ebenso wie  weltweit fehlende Dopingkontrolllabore eine erfolgreiche Dopingkontrollstruktur und -management verhindern. Damit ergeben sich große Zeitfenster für Dopingmanipulationen. 5./6./7./8./9.2.2024:
cyclingnews: Public prosecutor calls for Operation Ilex anti-doping probe to be partly shelved
MARCA: Así se escapan los dopados: „Los tramposos saben que su turno llega en la ventana de noche y los findes“
cyclingnews: Operation Ilex report suggests athletes are still ‚gaming the system‘ a la Armstrong
radsport-news: Marca berichtet über “Doping-Zeitfenster“ in Spanien
MARCA: A vueltas con la ‚Operación Ilex‘: „Si el caso concluye así, España quedará como el paraíso para el dopaje“
MARCA: Novedades en la ‚Operación Ilex‘ de dopaje: la causa sigue abierta para Maynar y Vicente Belda padre

Hintergrund: >>> doping-archiv.de: 2021-heute Spanien: Operacion Ilex

Im Rahmen der Affaire um die spanische Anti-Doping-Agentur CELAD ist auch der Evaluierungsbericht des Europarats vom 1.6.2023 von Bedeutung. Eine Monitoringgruppe des Rates untersucht die Implementierung und Umsetzung des WADA-Codes in den zugehörigen Ländern. Der jüngste Bericht betrifft Belgien. 5.2.2023:
Council of  Europe: How does Belgium’s anti-doping system function? : our evaluation report is now online
Council of Europe: Anti-doping evaluation reports on Ireland, Portugal, Spain and Sweden are available, 1.6.2023
Council of Europe: Anti-Doping Questionnaire (ADQ): Annual reports 2018-2022

Thomas Springstein, einer der umstrittensten Leichtathleitiktrainer Deutschlands mit heftiger Dopingvergangenheit, hat einen Sportverein gegründet. Genannter Anlass war der Wunsch der 15-jährigen Tochter, bei den Eltern zu trainieren. zwei weiter Jugendliche sind ebenfalls dabei. Der DLV, der in diesen Affairen ebenfalls eine zweifelhafte Rolle gespielt hatte, hält sich bedeckt. 5.2.2024:
sportschau: Comeback eines umstrittenen Sprint-Trainers

Hintergrund: >>> doping-archiv.de: Doping DLV: Trainer Thomas Springstein (einschl. ‚Krabbe-Affairen‘)

2020 gab es während der Tour de France in Marseille eine Razzia beim Team  Arkéa-Samsic, dnach geriet der kolumbianische Profi Nairo Quintana sowie sein Bruder Dayer unter Dopingverdacht. Nach der Tour gab es zwei Festnahmen – ein Arzt und ein Physiotherapeut. Nun wurde bekannt, dass gegen den Teamarzt  Fredy Alexander Gonzales Torres im September 2024 in Marseille ein Strafverfahren eröffnet wird.  5./6.2.2024:
AFP: Francia juzgará al médico colombiano de Nairo Quintana en septiembre por sospechas de dopaje
Le Télégramme: Soupçons de dopage : le médecin de Nairo Quintana sera jugé en septembre
spiegel online: Quintana hat „nichts zu verbergen“, 23.9.2020

Der Sport Freitauchen, nichtolympisch, hat anscheinend ein großes Problem mit dem Missbrauch von Medikamenten einschl. verbotener Dopingmittel. Schwere gesundheitliche Notfälle wie Blackouts, die zum Tod führen können nahmen zu. Der Weltverband AIDA hat  noch nicht den WADA-Code unterzeichnet, plant dieses jedoch. Dopingkontrollen finden nur sporadisch statt. 4.2.2024:
sportschau: Freitauchen – ein Extremsport und sein Dopingproblem Gedopt ins dunkelblaue Loch

Der Thüringer Arzt Mark Schmidt, einer der Hauptverantwortlichen in der Affaire Operation Aderlass, wurde am 15.1.2021 vom Landgericht München II in 24 Fällen der Anwendung von Dopingmethoden sowie in zwei Fällen des unerlaubten Inverkehrbringens von Arzneimitteln für schuldig befunden und zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten, eine Geldstrafe von 158.000 Euro und Berufsverbot von 3 Jahren verurteilt. Im Juni 2022 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen. Entsprechend dem Sportrecht ist er ab Januar 2021 für 6 Jahre gesperrt und darf keine Sportler*innen behandeln und keine sonstigen Funktionen im Sport ausüben. In der WADA-Liste des gesperrten Betreuungspersonals ist er allerdings nicht zu finden.
Kann ein Arzt, der entsprechend vorbestraft ist wie Mark Schmidt dennoch seine Approbation behalten und damit als Arzt   tätig sein?  Das im Urteil ausgesprochene Berufsverbot von 3 Jahren gilt ab dem Tag seiner vorzeitigen Entlassung, dem 16.5.2022. Das Thüringische Landesverwaltungsamt prüft die Zulassung seit 2019, die Landesärztekammer scheint nicht involviert. 2.2.2024:
sportschau: Endlose Prüfung in Thüringen

Hintergrund:
 >>> doping-archiv.de: Doping: Operation Aderlass
>>> 2012 Dt. Bundestag: Entzug der Approbation von Ärzt(inn)en und Apotheker(inne)n wegen Mitwirkung bei Doping.
>>> 2024 Dt. Bundestag Drucksache 20/10170: Anfrage 89 Abgeordneter Dr. André Hahn (fraktionslos)

In Zusammenarbeit mit dem IOC und Unterstützung der WADA erstellte die ITA  ein Bildungsprogramm Sauberer Sport, das als Anleitung für NOKs dienen soll in Hinsicht auf die Olympischen Spiele 2024 ihre teilnehmenden Sportler*innen gegen Doping fit zu machen. 1.2.2024:
ITA:  The ITA publishes National Olympic Committee (NOC) Clean Sport Education Guide for the Olympic Games Paris 2024

Januar 2024

Hinweis: >>> neu auf doping-archiv.de: Dossier Spanien und Doping

2023 nahmen die Mitteilungen zu Doping über die Whistleblowing-Platform der britischen Anti-Doping-Agentur UKAD gegenüber 2022 zu. Von den 24 in 2023 ausgesprochenen Dopingsanktionen beruhten 46% auf diesen Angaben. 31.1.2024:
UKAD: A louder whistle: UKAD’s intelligence reports boosted. New figures confirm over 180 doping reports were made to UKAD in 2023.
BBC: UK Anti-Doping: 184 reports made by whistleblowers in 2023

Leichtathletin Sara Benfares vom LC Rehlingen wurde positiv auf EPO und Testosteron getestet. Möglicherweise hat sie beide Medikamente eingenommen um die Folgen einer Knochenkrebskrankheit zu mindern. Genaues ist nicht bekannt. 30./31.1./4.2.2024:
SR: Positiver Doping-Test bei Saar-Athletin Benfares
Spe15: Sara Benfares, une triste histoire de maladie et dopage
DLF: Der Fall Sara Benfares – Krebs, Lügen oder Doping?

Die junge russische Eiskunstläuferin Kamila Valieva wurde vom CAS für 4 Jahre gesperrt.  Sie war 25. Dezember 2021 im Alter von 15 Jahren positiv auf das Herzmittel Trimetazidin getestet worden. Eine extrem geringe Dosis führt zu 4 Jahren Sperre? Was ist mit dem Umfeld? 29./31.1.2024:
CAS/TAS: Kamila Valieva is found to have committed an anti-doping rule violation and sanctioned with a four-year period of ineligibility commencing on 25 December 2021
die Zeit: Die Tragödie geht weiter
spiegel.de: Eiskunstläuferin Walijewa nachträglich für vier Jahre gesperrt

Zitat aus dem WADA-Report ‚Operation Refuge‘:
‚The fierce global media attention surrounding the case of a Positive Test reported against a Minor involved in 2022 Winter Olympic Games highlighted the tremendous pressure Minors may face while testing positive at an international competition. Notably, that case eventually led to a change in that sport’s minimum age of admissibility for high profile competitions.‘

Die Staatsanwaltschaft Freiburg stellte die Ermittlungen gegen Radprofi Michel Heßmann (Visma-Lease a Bike) ein. Ein Dopingvergehen konnte nicht festgestellt werden. Das sportrechtliche Verfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen. 29.1.2024:
eurosport: Doping: Ermittlungen gegen Michel Heßmann eingestellt – Deutscher taucht in Visma-Aufgebot auf

Der Chef der spanischen Antidoping-Agentur José Luis Terreros wurde entlassen. Ein erster Schritt des Aufräumens nach dem  Bekanntwerden vielfältiger jahrelanger Verfehlungen. 26.1.2024:
revelo: Terreros cesa como director de la agencia española antidopaje y le sustituirá Silvia Calzón
SZ: Chef der Anti-Doping-Agentur muss gehen

Die WADA veröffentlichte einen Untersuchungsbericht zum Dopingmissbrauch bei Minderjährigen ‚Operation Refuge‘ / ‚Operation Zuflucht‘ mit dem Schwerpunkt der Folgen, die durch den auf ihnen lastenden Leistungsdruck durch ihr Umfeld und mit dem Ergebnis, den Sanktionen und den öffentlichen Reaktionen verbunden sind. Diese Folgen sind oft traumatisch und sollten nach Meinung der WADA-Experten dringend weltweit zu Maßnahmen führen, die den Schutz der Jugendlichen in den Mittelpunkt stellen. 24.1.2024:
WADA: WADA publishes report from ‘Operation Refuge’ analyzing doping among minors
Deutschlandfunk: WADA-Chefermittler: „Auswirkungen auf Kinder berücksichtigen“
insidethegames.biz: WADA: Report on doping among young athletes
sportschau: Positive Dopingproben bei mehr als 1.500 Minderjährigen, 7.2.2024
NZZ: 
Mehr als 1500 Dopingfälle unter Minderjährigen: Ein Bericht bringt den Sport unter Rechtfertigungsdruck, 7.2.2024

Die NADA erhebt Einspruch gegen das Urteil des Deutschen Sportschiedsgerichts im Falle des Basketballspielers  Karim Jallow, dessen drei  Meldepflichten- und Kontrollversäumnisse zu keiner Sanktion führten. 23.1.2024:
NADA: Fall Karim Jallow: NADA zieht vor CAS

Enhanced Games: Dopingfreigabe – Was spricht dafür, was dagegen? 19.1.2024:
RennRad: Doping & Moral

Das Schmerzmittel Tramadol, ein Opiod, ist seit dem 1.1.2024 in Wettkämpfen nicht mehr erlaubt, nachdem zuvor schon die UCI das Medikament im Alleingang verboten hatte. Schmerzmittel sind keine klassischen Dopingmittel obwohl es etliche Experten gibt, die ein generelles Verbot befürworten. Opiodhaltige Schmerzmittel können abhängig machen und sind in den USA und anderen Ländern zu einem riesigen Sucht-Problem geworden mit entsprechendem nicht mehr zu kontrollierendem kriminellen Drogenmarkt. 16.1.2024:
sportschau.de: Was bringt das Tramadol-Verbot

Anmerkung: Schmerzmittel werden im (Hoch-)Leistungssport in solch großen Mengen flächendeckend eingesetzt, dass allein aus diesem Grund ein generelles Verbot unrealistisch ist. Die Diskussion hierzu ist Jahrzehnte als, es gibt hierzu etliche Studien, und sie wurde auch häufiger in der Presse aufgegriffen. Starker Konsum kann schwere Gesundheitsschäden hervorrufen. Es erstaunt daher etwas, dass in dem Artikel erwähnt werden musste, dass das Thema kaum im Bewusstsein von Trainern und Verbänden verankert ist. Liegt Gesundheits-Prävention nicht auch in den Händen von Verbänden, haben sie nicht auch eine Verantwortung gegenüber den Athlet*innen?
doping-archiv: Schmerzmittel – legal aber gefährlich

Dt. Zeitschrift für Sportmedizin:
2021 Angabe von Analgetika auf Dopingkontrollformularen in verschiedenen deutschen Fußball-Ligen in fünf Spielzeiten
2022 Schmerzprävalenzen und Analgetikakonsum bei Nachwuchsleistungsportlern – ein aktueller narrativer Überblick
2023 Prävalenz des sportbezogenen Schmerzmittelkonsums bei deutschen Spitzen-Handballern
2023 Nahrungsergänzungsmittel-, Schmerzmittel- und Alkoholkonsum bei deutschen Amateurgolfern

Kenia steht als Herkunftsland für Rekordläufer*innen und als beliebtes Land für Trainingsaufenthalte unter ständigem Dopingverdacht. Wie leicht lässt sich hier dopen, gibt es ausreichend intelligente Kontrollen der verschiedenen NADO? 17.1.2024:
Spe15: Les stages au Kenya, une hérésie ??

Die Crux mit Doping-Verdächtigungen. 16.1.2024:
RennRad: System Profi-Radsport: Rekorde, Zweifel und Doping-Vorwürfe – Unschuld / Verdacht

Am 1.1.2024  trat eine neue Version des World Anti-Doping Codes in Kraft, bereits jetzt beginnt die Diskussion für die folgende 2027. 10.1.2024:
WADA: WADA launches first drafting phase of 2027 World Anti-Doping Code and International Standards Update Process

Anders Besseberg, Ex-Vorsitzender der Internationalen Biathlon-Union IBU, steht in Norwegen wegen verschiedener Korruptionsvorwürfe in Zusammenhang mit Vorteilsnahme aus Russland vor Gericht. 2018 musste er seinen Posten aufgeben.  7./9.1.2024:
Der Standard: Biathlon-Korruptionsprozess: Von Prostituierten, Uhren und Jagdausflüge
Insidethegames: Former IBU leader Besseberg charged with aggravated corruption
Hintergrund: >>> IBU External Review Commission Final Report, 28.1.2021

Drei russische Ex-Athleten bzw. Athletinnen, die wegen Dopings sanktioniert  waren und unter Trainer Viktor Chegin trainiert hatten. Chegin wurde 2016 von der RUSADA lebenslang gesperrt, war jedoch weiterhin aktiv. Es gibt keine Handhabe Trainern, die früher wegen Dopings gesperrt waren und deren Sanktion abgelaufen ist, Aktivitäten im Sport zu untersagen. Der Einsatz dieser Coaches könnte allerdings als Provokation gegenüber den Internationalen Verbänden WADA, WA und IOC gewertet werden. 8.1.2024:
insidethegames.biz: Russia challenges IOC and WADA with three controversial coaches
Hintergrund:  Reuters: Doping-Banned Russian race walking coach still working with athletes, official says, 24.1.2020

Reaktionen auf die Vorwürfe, gegenüber der spanischen NADA CELAD.  5./6./10.1.2024:
WADA: WADA issues statement related to the National Anti-Doping Organization of Spain
AP: Spain’s government asks head of its anti-doping to resign amid accusations of irregularities
CELAD:  COMUNICADO DE LA DIRECCIÓN DE LA COMISIÓN ESPAÑOLA PARA LA LUCHA ANTIDOPAJE EN EL DEPORTE (CELAD)

Die spanische Anti-Doping-Agentur CELAD sieht sich schweren Vorwürfen gegenüber. Das spanische Sport-Onlinemagazin Relevo bemängelt fehlende Transparenz und führt nach schwieriger Recherche Fälle an, in denen mögliche Dopingvorfälle nicht nach Vorschrift bearbeitet wurden bzw. sogar mit Absicht verschleppt, verzögert oder ignoriert wurden, so dass Verfahren nicht stattfinden konnten. Die WADA soll, obwohl informiert, nichts dagegen unternommen haben. 27./28.12.2023/1./2./10.1.2024:
revelo: La Agencia Mundial Antidopaje permitió que España dejara varios positivos sin sancionar
football espana: Spanish Anti-Doping agency have overlook positive drug tests of athletes
insidethegames.biz: Five years of irregular testing by Spanish anti-doping agency
athletics illustrated: Media company Relevo alleges World and Spanish anti-doping agencies allowed positive drug tests to pass
SZ: Kommt einem spanisch vor
>>> EVALUATION REPORT OF THE MONITORING GROUP (T-DO / EVALUATION VISIT TO SPAIN 18 – 20 OCTOBER 2022

Dezember 2023

Nur wenige Politiker und Politikerinnen prägten über Jahrzehnte hinweg das politische Geschehen (West-)Deutschlands wie Wolfgang Schäuble. Entsprechend zahlreich sind die positiven Nachrufe zu seinem Tod. Auch seitens des organisierten Sports wird ihm Anerkennung gezollt. Wird jedoch das Thema Doping, Doping-Aufklärung angesprochen, werden Vorwürfe laut, die weit in die Vergangenheit reichen. 27.12.2023:
DLF: Förderer mit pragmatischer Haltung: Schäubles Spuren im Sport

Anmerkung:
Was hat Wolfgang Schäuble tatsächlich gesagt 1977 im Sportausschuss? Wie sind seine Äußerungen in den damaligen gesellschaftlichen Kontext einzuordnen? Um diese Zeit und die Rolle des Dopings in Westdeutschland, vor allem die Einordnung der Anabolika, verstehen zu können, ist das Protokoll über die Anhörung der Sachverständigen im Sportausschuss vom 29.9.1977 aufschlussreich.
>>> doping-archiv.de: 1977 Sportausschuss, Öffentli. Sachverständigen-Anhörung (Doping)
siehe auch:  >>> doping-archiv.de: BRD: Dopingbestimmungen/ -debatte 1970er Jahre

Die beiden Tennisspielerinnen Tara Moore (Großbritannien) und Barbara Gatica (Chile) wurden vom Verdacht des Dopings frei gesprochen. Im April 2022 wurden in Bogotá, Kolumbien bei Gatica Boldenon- und im Juni Moore Nandrolon- und Boldenon-Metaboliten festgestellt, beide wurden vorläufig suspendiert. Nun gab die ITIA  bekannt, dass die Befunde auf kontaminiertes Fleisch zurück zu führen seien.
Gatica wurde allerdings wegen des Geständnisses, im Jahr 2016 ein Spiel manipuliert zu haben, im Dezember 2022 für 3 Jahre gesperrt. Diese Sperre besteht  weiterhin.  23./27.12.2023:
ITIA: Independent Tribunal clears players
tennis world: Tara Moore von Dopingvorwürfen freigesprochen

Die französische Leichtathletik wird seit Jahren immer wieder von Dopingaffairen gebeutelt, in denen die Beziehungen, sei es privat und/oder sportlich, zwischen Athlet*innen  und Trainern von Dopingmachenschaften geprägt zu sein scheint. Nicht unwichtig dabei  erweisen sich Versuche über Trainingsaufenthalte im Ausland das Kontrollsystem zu unterlaufen. Dies betrifft auch Sportler*innen, die in Frankreich trainieren aber weiterhin in ihrem Heimatland Betrugsmöglichkeiten nutzen können. So z.B. die kenianische Marathonläuferin Joyce Kiplimo, die jetzt für 12 Jahre in Frankreich gesperrt wurde nach mehreren Dopingvorfällen und Betrugsversuchen. Ihr französischer Trainer, seit Längerem umstritten, bleibt viele Antworten schuldig. Es scheint unglaubwürdig,, dass er nie etwas mitbekommen hat, aber noch wurde ihm nichts nachgewiesen. 18.12.2023:
spe15: La Kenyane Joyce Kiplimo licenciée en France, suspendue pour 12 ans

Intravenöse Infusionen sind ab einer Menge von 100 ml innerhalb von 12 Stunden verboten unabhängig von dem Inhalt und werden als Doping gewertet. Diese Methode unterliegt damit auch dem Deutschen Anti-Doping-Gesetz mit entsprechenden strafrechtlichen Folgen. Recherchen der ARD-Dopingreaktion haben ergeben, dass die Kenntnis darüber gering ist. Insbesondere Heilpraktiker*innen scheint diese Regel der WADA-Verbotsliste nicht bekannt zu sein. Infusionen werden gerne als Regenerationtherapie eingesetzt. 17.12.2023:
sportschau: Instagram-Foto bringt Boxer Sturm in Bedrängnis

Der Schweizer Mountainbiker Matthias Flückiger wurde im August 2022 nach einer positiven Dopingprobe suspendiert. Der Fall wurde sofort mit Namen öffentlich bekannt gegeben. Recht schnell stellte sich heraus, dass die Schweizer NADA SSI (Swiss Sport Integrity) unsauber und nicht regelkonform gearbeitet hatte. Neben Formfehlern spricht auch Einiges dafür, dass es sich nicht um Doping gehandelt hat. Flückigers Suspendierung wurde aufgehoben und er konnte 2023 wieder Rennen fahren. SSI hat aber bis heute den Fall nicht abgeschlossen.
In einem Interview spricht der Radsportler über seine Erfahrungen insbesondere auch darüber, was es bedeutet schnell öffentlich an den Pranger gestellt zu werden und wie schwer es sein kann, rehabilitiert zu werden.  16.12.2023:
watson: Biker Flückiger über die Doping-Affäre: «Ich bin nicht mehr der gleiche wie vorher»

Anmerkung und Hinweis: Sportler*innen, die des Dopings von offizieller Seite beschuldigt werden, ob schuldig oder unschuldig, durchleben schwierige Zeiten insbesondere wenn sie namentlich im Fokus der Öffentlichkeit stehen.  Mit dem Ende der Suspendierung bzw. Ende der Sperre ist längst nicht  das Ende der Affaire erreicht, sind die schwierigen Folgen und Konsequenzen für die Betroffenen oft nicht bearbeitet und abgeschlossen.
Darauf weist folgendes Studiendesign hin:
2022/2023 Life after doping: do the consequences of an anti-doping rule violation threaten athletes’ health? Design and development of an interview guide for the assessment of biopsychosocial changes following a doping ban

Im Rahmen des Prozesses um den US-amerikanischen Medizintherapeuten Eric Lira und  Blessing Okagbare wurden neue Ermittlungsunterlagen bekannt mit weiteren Namen involvierter Personen. Darunter zwei US-Trainer, die ehemaligen Topsportler O’Neil Wright (ehemals Liberia) und Dewayne Barrett (ehemals Jamaika) und drei Sportler aus Nigeria, Schweiz und Großbritannien. Grundlage der US-Ermittlungen ist der Rodchenko-Act aufgrund dessen, US-Behörden auch ausländische Personen ins Visier nehmen können. Die ITA ist infomiert. Die Athleten könnten im Vorfeld der OS in Tokio 2021 Dopingmittel wie HGH und Epo erhalten haben. 14./15.12.2023:
wp: Two track coaches charged with providing PEDs to Tokyo Olympians
the guardian: British Olympian ‘received banned drugs’ in US, claim documents
AP: Doping law leads to indictments against coaches of sprinters

Werden russische Athlet*innen bei den OS 2024 in Paris starten können? Die Sportverbände können selbst darüber entscheiden, so hat sich World Athletics dagegen entschieden. Das IOC spricht von harten Auflagen, u.a. sollen sie sich gegen den russischen Angriffs-Krieg aussprechen und ausreichend gegen Doping getestet sein. Die bislang durchgeführten Kontrollen wurden aber durch die RUSADA durchgeführt, die aber noch von der WADA als non-compliant eingestuft ist. Interessant ist die Frage, müssen die Sportler*inen aufgrund der von ihnen verlangten Anti-Kriegs-Erklärung mit Repressalien rechnen oder wie wird Russland damit umgehen? 10.12.2023:
SZ: Große Fragen im Kleingedruckten

Die International Testing Agency ITA beginnt mit ihrem Nachtestprogramm der Dopingproben der Olympischen Sommerspiele 2016. Das entsprechende Programm zu den Spielen 2012 in London ist abgeschlossen. Nachträglich wurden 73 Dopingverstöße festgestellt und 31 Medaillen entzogen. 5. 8.12.2023:
ITA: The ITA concludes the sample re-analysis program for the Olympic Games London 2012
ITA: The ITA has launched the sample re-analysis program for the Olympic Games Rio 2016
>>> ITA London 2012 sample re-analysis report

Wie verbreitet ist Doping unter Amateuren im Radsport? Genauere Zahlen stehen mangels Kontrollen nicht zur Verfügung und Vermutungen werden nur selten öffentlich von Insidern ausgesprochen. Das ist in Deutschland wie in Frankreich ähnlich. Nach dem jüngsten Dopingfall des französischen Amateurs Damien Poisson, dem anabole Substanzen nachgewiesen wurden, und im November für 3 Jahre gesperrt wurde, wird in Frankreich einmal wieder ganz zaghaft diese Frage in der Presse aufgeworfen. 11 nachgewiesene Dopingfälle soll es in den letzten 10 Jahren unter französischen Radamateuren gegeben haben. Das ist nicht viel und dürfte kein Grund zur Beunruhigung sein, würde diese Zahl die tatsächliche Dopingkultur abbilden. Das wird aber stark infrage gestellt. Ob der Konsum zweifelhafter und verbotener Substanzen so verbreitet ist wie unter italienischen Amateurradsportlern? In Italien ist die Kontrolldichte seit Jahren hoch. Viele nachgewiesene Dopingfälle italienischer Amateurradsportler mit langen, namentlich veröffentlichten Sanktionen und die Aufdeckung von Dopingnetzwerken lassen den Schluss zu, dass eine umfangreich Kontrollpraxis zwar Ergebnisse zeitigen kann, aber erkennbar ist nicht, dass sich irgendetwas an der Dopingpraxis innerhalb der italienischen Amateurradsportszene geändert hätte, hat und ändern würde. Wäre eine zusätzliche umfangreiche Präventionsarbeit zielführender? Langfristig betrachtet ist das möglich, aber das ist mühsam.  7.12.2023:
sport.fr: Dopage: Gros scandale en vue en France ?
ouestfrance: ENQUÊTE. « Il y en a trop qui prennent leur petit truc… » : le cyclisme amateur sali par le dopage ?

Der deutsche Basketballer Karim Jallow wurde vom Deutschen Sportschiedsgericht (DIS)  frei gesprochen. Ihm waren drei  Meldepflicht- und Kontrollversäumnisse innerhalb eines Jahres zur Last gelegt worden. Die NADA prüft Einspruch vor dem  CAS einzulegen. 7.12.2023:
NADA: Entscheidung im Fall Jallow: Schiedsklage abgewiesen
sportschau.de: Fall Karim Jallow: Sportschiedsgericht weist Klage ab

Erster Dopingfall im Deutschen Fußball? Nein, es gab einige zuvor, die zwar nicht offiziell sanktioniert wurden, aber für Schlagzeilen sorgten und nicht ohne Folgen für die Betroffenen waren. 5.12.2023
RevierSport: Als ein Bochumer die erste Doping-Sperre im deutschen Fußball bekam
Hintergrund: doping-archiv: Doping im Deutschen Fußball

Die französische Marathonläuferin Clémence Calvin ist bis zum 17.12.23 wegen Dopings gesperrt. Da sie ihre Kariere fortsetzen wird und dabei ist sich für die Qualifikation zur Teilnahme an den Olympischen Spielen in Paris vorzubereiten, müsste sie in dem Trainingskontrollprogramm der AFLD aufgenommen sein, die sich allerdings dazu nicht erklärend äußert. Es stellen sich einige Fragen, u.a. könnte es sein, dass die Sportlerin  protegiert wird? Ein Verdacht, der sich bei Betrachtung früherer Ereignisse in der französischen Leichtathletik einstellen kann. 1.12.2023:
spe15: Clémence Calvin bientôt en compétition n’est plus dans le groupe cible AFLD