>>> Inhalt Dossier Reform Antidoping
Das internationale ADAMS (Anti-Doping Administration and Management System) zur Whereabouts / Aufenthaltserfassung von Sportler*innen
ADAMS wurde von der WADA ab 2008 eingeführt. Über diese internetbasierte Datenbank ADAMS geben alle Athletinnen und Athleten der Registered Testing Pools (RTP) und der Nationalen Testpool (NTP) ihre Aufenthaltsdaten / Whereabouts-Daten ein.
>>> Näheres zu den verschiedenen Test Pools
Dieses Meldesystem soll garantieren, dass Dopingkontrollen zu fast jeder Zeit gut geplant und vor allem unvorhergesehen stattfinden können. Dazu müssen die Aufenthaltsorte der Sportler*innen im Detail bekannt sein.
Von Beginn an gab es kritische Stimmen gegenüber dem System. Insbesondere auch in Deutschland.
„Denn mit der Einführung des ADAMS wurde die Anti-Doping-Arbeit global digitalisiert, um die Produktivität von Dopingkontrollen außerhalb von Wettkämpfen (Out-of-Competition-Kontrollen, OOC) effektiver und effizienter zu gestalten. Dabei stellt die eingeführte Technologie eine Überwachungspraktik dar, mittels derer zeit- und ortsungebundene Kontrollen möglich sein sollen. Die AthletInnen sind daher für eine ständige Erreichbarkeit für Dopingkontrollen dazu aufgefordert im Voraus aktuelle Aufenthaltsdaten bzw. Athleten-Whereabouts im ADAMS bereitzustellen. Die darüber dauerhaft erzeugte Überwachung und ermöglichten Kontrollen gehen dabei über den Sport und das AthletenDasein hinaus und greifen in weitere soziale Bereiche ein. Die Abgabe der Whereabouts stellt dann eine (un-)freiwillige Störung dar, die sich sowohl auf die Privatsphäre der AthletInnen als auch auf deren soziales Umfeld wie Familie, Partner, Freunde etc. ausweitet.“
>>> Marcel Scharf ADAMS: Eine Störung der Privatsphäre
An dieser Stelle soll nicht näher auf die Kritik, auf das Für und Wieder der Whereabout-Erfassung und die Sicherheit von ADAMS eingegangen werden. Sondern es wird auf das in Deutschland entwickelte alternatives System PARADISE hingewiesen.
Die deutsche NADA warb von Beginn an für diesen neuen Ansatz. Im weltweiten Diskussionsprozess um ADAMS bei der WADA fanden diese Vorschläge bislang wenig bis keine Berücksichtigung. Dieses Beispiel zeigt auch wie zäh bis kaum möglich sich Änderungsvorschläge in international aufgestellten Diskussionssprozessen behaupten können.
Erwähnt sei jedoch, dass im Januar 2018 der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Rechtmäßigkeit des Whereabout-Sytems für Dopingkontrollen bestätigte. Beschwerdeführer*innen waren die französische Sportlergewerkschaft Fédération nationale des associations et des syndicats sportifs (FNASS), 4 Sportverbände aus den Sparten Rugby, Fußball,
Handball, Basketball und viele Einzelsportler*innen.
>>> Beck aktuell: EGMR: Unangekündigte Doping-Kontrollen sind rechtens
>>> 1 NLMR 1/2018-EGMR Sachverhalt – HUDOC
Seither gab es keine Klagen vor Gerichten mehr in Deutschland und der EU, mit denen das ADAMS-/Whereabout-System hinsichtlich des Datenschutzes, der Datenschutzgrundverordnung DSGVO, geprüft wurde, vor allem auch dahingehend nicht, wie sicher die personenbezogenen Daten auf internationaler Ebene sind. Die Landesbeauftragte für Datenschutz von Nordrhein-Westfalen Bettina Gayk erwähnte auf der 14. Sitzung des Sportausschusses des dt. Bundestags am 17.12.2025, dass sie sich mit dieser Frage noch nicht beschäftigen musste, sie aber durchaus Datenschutzprobleme sieht.
PARADISE – eine mögliche Alternative zu ADAMS
Aufgrund der kritischen Einwände wurde von Jonas Plass und Sebastian Zickau 2015 ein alternatives System entwickelt.
PARADISE – WIE ORTUNGSTECHNOLOGIEN DEN DATENSCHUTZ IM ANTI-DOPING VERBESSERN KÖNNEN
Mit den Ergebnissen des Forschungsprojekts PARADISE wird eine neuartige,
alternative Plattform zum derzeit eingesetzten System ADAMS definiert. In
PARADISE wurde die Eignung moderner Positionierungstechnologien für den Einsatz im Anti-Doping-Anwendungsbereich evaluiert. Im Fokus stand hierbei die Frage, wie sich Datenschutz und Gebrauchstauglichkeit für AthletInnen mit unangekündigten Dopingkontrollen an verschiedenen Aufenthaltsorten vereinen lassen. Aktive AthletInnen wurden durch ihre Erfahrungen mit dem derzeitigen System motiviert, ein neue Lösung basierend auf dem derzeitigen Stand der Technik zu konzipieren. Der Artikel stellt diese Ergebnisse vor und zeigt, dass sich Datenschutz und Ortungstechnologien nicht ausschließen.
Auf meine Fragen an die NADA zum Verlauf der Diskussion um Änderungen kritischer Punkte erhielt ich [Monika] Anfang Januar 2026 folgende Antwort:
„Die NADA unterstützte das Projekt von Jonas Plass, der dieses als Athlet initiiert hatte. Neben einer großen Erprobungsphase mit Athletinnen und Athleten wurde auch die WADA frühzeitig über das Projekt informiert (u.a. beim Besuch von Rob Koehler im Jahr 2015 ).
Die WADA-Ethikkomission lehnte das Projekt im Jahr 2017 aufgrund der Ortungsfunktion ab. Als Grund nannte die Ethikkommission den unverhältnismäßigen Eingriff in die Privatsphäre der Athletinnen und Athleten. Gleichzeitig lief die Förderung durch das BMBF aus, so dass das Projekt nicht weitergeführt werden konnte. Die NADA bedauert diese endgültige Entscheidung der WADA weiterhin. Das Projekt wurde mit Datenschützern entwickelt und war und ist aus Sicht der NADA zukunftsweisend. Es hätte aus Sicht der NADA zur Erleichterung für die Athletinnen und Athleten beigetragen, die das System hätten freiwillig nutzen wollen.“
Die ablehnende Stellungnahme der WADA Ethikkommission ist hier zu finden:
>>> Consensus statement – Geolocalisation of athletes for out-of-competition drug testing: ethical considerations. Position statement by the WADA Ethics Panel
Ist für die NADA damit das Thema substantielle ADAMS-Reform vom Tisch oder bleibt es ein Dauerthema?
„Die NADA hat sich seither insbesondere für die Verbesserung von ADAMS eingesetzt. Als eine von vielen NADOs ist es der NADA wichtig, im Schulterschluss mit anderen NADOs gemeinsam Verbesserungen anzustreben. Über die INADO sowie weitere persönliche Gespräche mit der WADA haben wir unsere Probleme, Forderungen und Änderungsvorschläge vorgebracht. Weiterhin konnten wir Ende 2024 erreichen, dass Léa Krüger als Athletenvertreterin aktiv in der Entwicklung von ADAMS in der ADAMS Working Group der WADA eingebunden ist.
Bei der Welt Konferenz in Busan stellte die WADA einige Neuerungen vor. Diese gaben uns einen ersten Eindruck in ein überarbeitetet ADAMS. Wir sehen im täglichen Arbeiten erste Verbesserungen in ADAMS, erhoffen uns aber sowohl für unsere Arbeit mit ADAMS als auch für die Athletinnen und Athleten weitere Erleichterungen.“
Am 21. Januar 2026 stellte die WADA die von der ADAMS Testing Working Group (ATWG) beschlossene Änderungen am Whereabout /ADAM-System vor. Grundlegende Veränderungen gibt es nicht.
>>> 21.1.2026 ADAMS Testing Working Group discusses ADAMS Development Roadmap
>>> Änderungen im WADA-Code 2027 (Korrekturansicht)
