>>> Inhalt Dossier Reform Antidoping
Internationale Dopingkontrolllabore und Dopingkontrollstandards
In einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 7.1.2026 äußert sich der Generalsekretär der Internationalen Testing Agentur ITA Benjamin Cohen u.a. zu Problemen, die sich zum einen durch die unterschiedliche Ausstattung WADA-zertifizierter internationaler Antidoping-Kontrolllabore ergeben aber auch durch den Mangel an finanziellen Resourcen für ein umfassendes Analyseprogramm.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.1.2026
„Athleten dopen sich selten allein“
Das Gespräch führte Tom Mustroph.
Zitate aus dem Artikel zum Thema
Internationale Dopingkontrolllabore – WADA-zertifiziert – und Dopingkontrollstandards
Was stellt dabei die größere Herausforderung dar: Die legal produzierten und zugelassenen Präparate auf dem Anti-Aging und Abnehmmarkt, die Präparate, die noch in der Forschung sind, aber Leistungssteigerung versprechen oder jene, bei denen die Forschung eingestellt wurde, die aber doch Dopingpotential haben sollen und die in illegalen Laboren nachgebaut werden?
Unser Problem ist eher, dass wir bei den 30 akkreditierten WADA-Laboren (weltweit/ d. Red.) nicht immer exakt wissen, was genau die einzelnen Labore nachweisen können und was nicht. Da müssen wir noch einige Anstrengungen unternehmen und enger mit den Laboren zusammenarbeiten. Theoretisch sollte jedes Labor jede Substanz, die auf der Verbotsliste gelandet ist, nachweisen können, egal ob das Präparat legal oder illegal produziert wurde. Ein größeres Problem für die Labore ist aber, dass die Antidoping-Agenturen die Labore oft nur mit Standardtests beauftragen, nicht so stark die zusätzlichen Tests, etwa auf Peptidhormone fordern.
Was ist der Grund dafür?
Bei dem Großteil der Fälle sind es die finanziellen Ressourcen. Ein Standardtest kostet einen bestimmten Betrag. Wenn man dann nach einer spezifischen Analyse von Bluttransfusionen, speziellen Epo-Präparaten oder auch Gendoping fragt, kostet das zusätzlich. Es summiert sich schnell, wie etwa beim Autokauf, wenn man noch einige Extras will. Unsere finanziellen Mittel sind begrenzt. Geben wir mehr Geld fürs Testen aus, haben wir weniger für Aufklärung oder Ermittlung zur Verfügung. Wir müssen die beste Balance finden. Für Großevents wie die Tour de France werden mehr spezifische Tests verlangt als für internationale Nachwuchswettbewerbe.
Ein großes Problem für die Labore ist aber auch, dass, wenn bestimmte Tests nicht oder nur selten verlangt werden, es ihnen schwerfällt, die Materialien, Maschinen und auch das geschulte Personal dafür bereitzuhalten. Im schlimmsten Fall sind sie zu diesen spezifischen Tests gar nicht mehr in der Lage.
Wie kann man das lösen?
Ja, das ist eine große Sorge von uns. Ich war im Labor in Seoul und wir haben diesen Aspekt dort diskutiert. Ich denke, in Zukunft sollten wir mit der WADA diskutieren, ob wir wirklich so viele Labore brauchen oder nicht vielmehr einige wenige Superlabs haben, in denen wir die Ressourcen zusammenbringen. Aber das wird nicht einfach, weil viele Länder auch aus Prestigegründen ihre eigenen Labore haben wollen. Wir müssen hier aber eine strategische Entscheidung für die Zukunft finden.
