Operation Aderlass: Urteile und Sanktionen

>>> Operation Aderlass – Hintergrund/Geschichte

sportrechtliche Sanktionen und Verurteilungen nach Strafprozessen

Stand 1.11.2021
betroffene Sportarten:
Langlauf, Radsport, Leichtathletik, Eisschnelllauf, Biathlon, Skibergsteigen, Triathlon

genannte Personen neben Mark Schmidt und Helfer/innen:
Personal: Teamarzt Langlauf ÖSV Ulrich Haegele, Ex-Langlauftrainer Mati Alaver, Langlauftrainer Andrus Veerpalu, Sportlicher Leiter Borut Bozic (Team Bahrain Merida), Langlauftrainer Gerald Heigl, Servicemann Emanuel Moser, Ex-Langlauftrainer Walter Mayer, Betreuer Johann Lienhart, Berner Sportmediziner, Leichtathletiktrainer Dario Nemec, Teamarzt Estnisches Langlauf-Nationalteam Tarvo Kiudma, Hauptsponsor des estnischen Langlaufteams Toomas Annus

Sportler/innen:
Österreich: Max Hauke, Dominik Baldauf, Johannes Dürr, Georg Preidler, Stefan Denifl, Christina Kollmann-Forstner, Gerhard Tritscher, Florian Lienhart, Cornelia Köpper, Clemens Fankhauser

Deutschland: Danilo Hondo, (Freispruch DIS: Robert Lehmann-Dolle), Björn Thurau, zwei unbenannte Radsportler

Estland: Karel Tammjärv, Algo Kärp, Andreas Veerpalu

Kasachstan: Alexei Poltoranin

Italien: Alessandro Petacchi, Daniel Taschler

Slowenien: Borut Bozic, Kristijan Koren

Kroatien: Kristijan Durasek, Lisa Nemec

Schweiz: Pirmin Lang, eine unbenannte Person (Sportler?)

Zitat:
„Auch einige Sportler entgingen, entweder durch eine ähnliche Verjährung [wie Arzt Haegele] oder weil die Tatvorwürfe gegen sie aus der Zeit vor Einführung des Anti-Doping-Gesetzes datieren, einer Strafverfolgung. Dazu soll etwa ein aus Deutschland stammender World-Tour-Radprofi zählen, der nicht bei der derzeit laufenden Tour de France am Start ist, aber auch der frühere italienische Sprint-Star Alessandro Petacchi, der sämtliche Vorwürfe bestritt, sowie zwei slowenische Radprofis.“ (sportschau.de: Operation Aderlass – Doping-Arzt Schmidt drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis, 16.9.2020)

Zu den Sanktionen siehe auch hier: Sportsintegrityinitiative.com; Athletes sanctioned for their involvement in ‘Operation Aderlass’

Mark Schmidt, Arzt in Erfurt und zentrale Person dieser Affaire, wurde am 15.1.2021 vom Landgericht München II in 24 Fällen der Anwendung von Dopingmethoden sowie in zwei Fällen des unerlaubten Inverkehrbringens von Arzneimitteln für schuldig befunden und zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten, eine Geldstrafe von 158.000 Euro und Berufsverbot von 3 Jahren verurteilt. (Urteil vom 15.1.2021) (spiegel.de, 15.1.2021) Im Juni 2022 wurde ervorzeitig aus der Haft entlassen (spiegel.de, 25.6.2022). Das Berufsverbot gilt ab dem Tag seiner vorzeitigen Entlassung, dem 16.5.2022

Laut NADA-Code gilt, dass es ein Umgangsverbot strafrechtlich verurteilter Personen gibt:

2.10.1.2 … Die Dauer des Umgangsverbots entspricht der im Straf-, Disziplinar- oder standesrechtlichen Verfahren festgelegten Strafe, beträgt mindestens jedoch sechs (6) Jahre ab dem Zeitpunkt der Entscheidung; …

Für Mark Schmidt bedeutete dies, dass er ab Januar 2021 für 6 Jahre einer sportrechtlichen Sperre unterliegt und keine Sportler*innen behandeln und keine sonstigen Funktionen im Sport ausüben darf. In der WADA-Liste des gesperrten Betreuungspersonals ist er allerdings nicht zu finden.
Seine Approbation wurde ihm bis Februar 2024 nicht entzogen. Das Thüringische Landesverwaltungsamt prüft die Zulassung seit 2019, die Landesärztekammer scheint nicht involviert. (sportschau: Endlose Prüfung in Thüringen, 22.2024)

Dirk Q., Helfer von M. Schmidt, erhielt ebenfalls am 15.1.2021 eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. (spiegel.de, 15.1.2021)

Diana S., Krankenschwester, Helferin von M. Schmidt, wurde zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. (spiegel.de, 15.1.2021)

Sven M. und Ansgar Schmidt, Vater M. Schmidts, erhielten Geldstrafen. (spiegel.de, 15.1.2021)

Robert Lehmann-Dolle, Ex-Eisschnellläufer und Trainer, wurde vom Deutschen Sportschiedsgericht frei gesprochen, die NADA erhob Einspruch vor dem CAS. Das CAS bestätigte den Freispruch im November 2021. (spiegel.de, 1.9.2020, dpa, 22.11.2021)

Harald Wurm, Ex-Skilangläufer, wurde am 15.1.2021 vom Landesgericht Innsbruck von einem Vergehen nach dem Anti-Doping-Bundesgesetz und vom Vergehen des schweren Betrugs freigesprochen. Er bekam eine Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 15 Euro – 4.500 Euro –, wobei die Hälfte auf Bewährung blieb. (ORF, 15.1.2021)

Cornelia Köpper; Marathon, wurde im Dezember 2020 für 10 Jahre gesperrt. Sie hat EPO, Genotropin und Testosteron aus Kroatien besorgt und an Triathlet Florian Lienhart und an dessen Betreuer, seinen Vater, weitergegeben, sowie 2014 2015 intravenöse Infusionen von mehr als 50 ml angewendet hat. Sie war im Strafprozess gegen Walter Mayer mitangeklagt und hatte eine Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu je vier Euro erhalten. (triaguide.com, 3.7.2020, tt.com. 3.7.2020)

Ulrich Haegele, Teamarzt beim ÖSV im „Bereich Langlauf“:
Ein Verfahren gegen einen deutschen Arzt, den Dürr in seinem eigenen Strafverfahren in Innsbruck belastet hatte, ihm das EPO besorgt zu haben, und bei dem im vergangenen Jahr eine Hausdurchsuchung stattgefunden hatte, ist inzwischen in Österreich eingestellt worden. Der Grund: Ein allfälliger Sportbetrug aus dem Jahr 2014 wäre bereits verjährt. (sportschau.de, 16.9.2020)

Georg Preidler und Stephan Denifl. Am 26.6.2019 sperrte die Österreichische Anti-Doping Rechtskommission die beiden Radsportler für je 4 Jahre. Am 22.7.2020 wurde am Landesgericht Innsbruck der Prozess gegen Georg Preidler abgeschlossen. Er erhielt eine Haftstrafe auf Bewährung über 12. Monate und eine Geldstrafe von 2.880 €. (Pressemitteilungen 2019, 26.6.2019, orf.at. 22.7.2020).

Das Urteil gegen Radprofi Georg Preidler wurde was die Bewährungsstrafe anbelangt, bestätigt. Die Geldstrafe wurde reduziert. Es war der zweite Prozess nachdem das erste Urteil vom Obersten Gerichtshof (OGH) aufgehoben wurde. (der Standard, 22.10.2021)

Stephan Denifl wurde am 12.1.2021 am Landesgericht Innsbruck wegen gewerbsmäßigen schweren Sportbetrugs zu zwei Jahren Haft verurteilt, 16 Monate davon auf Bewährung. Frühere Einnahmen in Höhe von 349.000 Euro wurden entgegen der Anklage nicht zurück gefordert. Denifl ging in Berufung. (derstandard.at, 12.1.2021)

Im November 2022 urteilte der österreichischen Oberste Gerichtshof endgültig zu Gunsten Denifls, er wurde freigesprochen. (ORF,  19.11.2022, Salzburger Nachrichten, 21.11.2022)

Ein unbenannter österreichischer Ex-Radsportler, Mitangeklagter im Prozess gegen Georg Preidler erhielt eine Geldstrafe über 6.000€. Er soll den Kontakt zu dem Kroaten hergestellt haben, der Preidler mit Dopingmitteln versorgt hat. (Orf, 22.67.2020)

Servicemann Emanuel Moser, enger Vertrauter von Johannes Dürr und auch als Triathlonbetreuer tätig, wurde am 27.9.2019 für 8 Jahre gesperrt. (ÖADR, 27.9.2019).

Sein Strafrechtsprozess wurde mehrfach verschoben und fand im Juli 2020 statt. Er wurde vom Landesgericht Innsbruck zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen a 14 Euro (3.360 Euro) verurteilt. (tirol.orf.at, 13.7.2020)

Mountainbikerin Christina Kollmann-Forstner wurde im Juli für 4 Jahre gesperrt. (Pressemitteilungen 2019, 26.7.2019). Sie und ihr Lebensgefährte wurden zudem vom Landesgericht Ried u. a. wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges und Blutdopings verurteilt. Kollmann erhielt eine Strafe von acht Monaten Haft auf Bewährung, ihr Lebensgefährte als Beitragstäter fünf Monate (nachrichten.at, 2.8.2019).

Max Hauke und Dominik Baldauf, beide Skilangläufer, wurden für je vier Jahre gesperrt (Pressemitteilungen 2019, 23.7.2019). Dominik Baldauf und Max Hauke erhielten beide in getrennten Verfahren je eine 5monatige Haftstrafe auf Bewährung im Oktober 2019 vom Landgericht Innsbruck wegen gewerbsmäßigen schweren Sportbetrugs.

Im Februar hob der Oberste Gerichtshof Österreichs (OGH) das Urteil gegen Dominik Baldauf teilweise auf. Zu zwei der 10 Anklagepunkte muss ein neuer Schöffenprozess geführt werden. Es muss geklärt werden, ob das Eigendoping in Deutschland und Finnland war zumal im Ausland begangene Straftaten in Österreich nicht geahndet werden müssen. Die Schuld in Bezug auf den Betrugsschaden über mehr als 25.000 € ist rechtens. (nachrichten.at, 14.2.2021)

Profi-Radsportler Alessandro Petacchi wird im August 2019 von der UCI für zwei Jahre aufgrund von Hinweisen der österreichischen Justiz gesperrt. (UCI, 24.8.2019).

Gerhard Tritscher, österreichische Skibergsteiger, wurde am 26.8.2019 wegen Dopings ab 2013 mit EPO, Wachstumshormon, Thymosin Beta 4 und Testosteron-Gel für 4 Jahre gesperrt wurde. Auch er war im Rahmen der Ermittlungen um die Operation Aderlass überführt worden (ÖADR, 26.8.2019).

Johannes Dürr erhielt im September eine Sperre von 8 Jahren (Kleine Zeitung, 17.9.2019), die im Oktober auf lebenslang erweitert wurde (ÖADR, 10.10.2019). Ende Januar 2020 erhielt er vor dem Landgericht Innsbruck eine Gefängnisstrafe auf Bewährung über 15 Monate plus einer Geldbuße.

Triathlet Florian Lienhart wurde für 4 Jahre gesperrt, davon wurden ihm 6 Monate auf Bewährung erlassen wegen Kooperation mit den Ermittlern. (orf.at, 13.2.2020, ÖADR, 13.2.2020

Die Athleten Andreas Veerpalu, Karel Tammjärv (Estland), Alexey Poltoranin (Kasachstan) wurden von der FIS am 6.12.2020 für je 4 Jahre gesperrt. Das Verfahren von Andrus Veerpalu, Vater von Andreas, ist noch anhängig. (FIS, 6.1.2020)

Andrus Veerpalu wurde von der FIS für 2 Jahre gesperrt. (insidethegames.biz, 15.4.2021)

Der estnische Skilangläufer Andreas Veerpalu wurde in Österreich zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten verurteilt. (dpa, 15.10.2021)

Trainer Mati Alaver wurde Anfang November von einem Gericht zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung mit anschließender 18monatiger Bewährungszeit und einer Geldstrafe verurteilt. Am 6.12. erhielt er zusätzlich eine sportrechtliche Sperre von 4 Jahren. (news.err.ee, 14.11.2019

Skilangläufer Algo Kärp erhielt eine Sperre von 2 Jahren und 6 Monaten anstelle von 4 Jahren, da er sich von Anfang an kooperativ gezeigt hat. (FIS, 8.4.2020)

Ex-ÖSV-Langlauftrainer Walter Mayer wurde am 3.7.2020 vom Landesgericht Innsbruck zu 15 Monaten auf Bewährung mit dreijähriger Probezeit und einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu je vier Euro verurteilt. Ihm wurde zur Last gelegt, von 2012 bis 2019 Sportler beim Doping unterstützt verbotene Substanzen wie Wachstumshormone, Testosteron und Humanalbumin an Sportler weitergegeben zu haben, auch soll er Blutdoping an Athleten praktiziert haben. (derstandard.de, 3.7.2020)

Die nicht namentlich genannte 37-jährige Marathonläuferin K. wurde am 3.7.2020 vom Landesgericht Innsbruck zu einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu je vier Euro verurteilt. Sie soll Dopingmittel erstanden, eingenommen und weitergegeben haben. (derstandard.de, 3.7.2020)

Ex-Radprofi Pirmin Lang wurde als erster Schweizer Elitesportler nach dem Sportfördergesetz von 2012 strafrechtlich belangt. Ihm wurde die Lieferung einer verbotenen Substanz und eines verbotenen Hilfsmittels zum Doping für Arzt Mark Schmidt nachgewiesen. Da bereits einiges verjährt ist, wurde nur eine geringe Strafe verhängt, eine Geldstrafe von 500 Franken auf Bewährung und eine Buße von 100 Franken. Sein wahrscheinliches Eigendoping steht in der Schweiz nicht unter Strafe. Nun erst nach diesem Verfahren wird ein sportrechtliches Verfahren eröffnet. (Luzerner Zeitung, 4.8.2020)

Pirmin Lang wurde für 18 Monate und eine Geldstrafe verurteilt. Als Kronzeuge wurde seine Strafe reduziert. (antidoping.ch, 3.11.2021, sportsintegrtiyinitiative.com, 4.11.2021)

Martin Stockinger, ehemaliger österreichische Skilangläufer, wurde wegen EPO-Erwerbs und-Besitzes von Mitte 2012 bis Mitte 2014 für 2 Jahre gesperrt. Er wurde im Zuge der Ermittlungen der Operation Aderlass überführt. Ob er dem Netzwerk angehörte, wird nicht erwähnt. (ÖADR, 29.10.2020 , kurier.at, 3.11.2020)

Ex-Langlauftrainer Gerald Heigl wurde vom Österreichischen Sportschiedsgericht auf Lebenszeit wegen Verstoßes gegen die Anti-Doping Bestimmungen, dem Besitz von und Handel mit verbotenen Substanzen und der Beihilfe und Ermutigung zur Begehung von Verstößen gegen Anti-Doping-Bestimmungen gesperrt. (ÖADR: Entscheidung, Gerald HEIGL (Schilanglauf – Trainer), Verhängung einer lebenslangen Sperre ab dem 04.10.2020, kurier.at, 6.11.2020)

Der österreichische Radsportler Clemens Fankhauser wurde von einem Mitarbeiter des Arztes Mark Schmidt (Operation Aderlass) schwer belastet. Dieser will ihm Dopingmittel besorgt haben. Der Sportler bestritt dies, doch er wurde in Innsbruck wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges zu 960 Euro Geldstrafe und vier Monate Haft auf Bewährung verurteilt. (Kronen-Zeitung, 7.7.2021, Kronen-Zeitung, 15.1.2021)